· PKS Redaktion · Motorik & Bewegung · 17 min read

Laufrad oder Dreirad? Der Vergleich für Eltern

Was bereitet besser aufs Fahrrad vor? Die Empfehlungen der Fachstellen, die Schrittlängen-Messung, die eine dokumentierte Ausnahme — und wo Kinder damit fahren dürfen.

Laufrad oder Dreirad? Der Vergleich für Eltern

Das Kind wird zwei, der Geburtstag steht an, und die Großeltern fragen, was sie schenken sollen. Laufrad oder Dreirad — das ist die Frage, an der sich in den meisten Familien entscheidet, womit das nächste Jahr draußen verbracht wird.

Die kurze Antwort: Fürs spätere Radfahren ist das Laufrad die begründete Wahl. Es übt genau das, was beim Fahrrad zuerst fehlt — Balancieren. Das Dreirad übt das Treten.

Beides ist gut. Nur braucht kein Kind beides gleichzeitig. Wer eines kauft, kauft das Laufrad, sobald das Laufen sicher sitzt und die Schrittlänge passt.

Es gibt allerdings eine Ausnahme, die kaum jemand nennt. Und eine Frage, die sich jedem Käufer stellt und die kein einziger der gut platzierten Ratgeber beantwortet: Wo darf das Kind damit eigentlich fahren?


Laufrad und Dreirad im direkten Vergleich

Die beiden konkurrieren weniger, als es aussieht. Sie lösen schlicht verschiedene Aufgaben.

KriteriumLaufradDreirad
Trainiert vor allemGleichgewicht, Lenken, KörperkoordinationTretbewegung, Beinkraft, Arm-Bein-Koordination
Vorbereitung aufs Fahrradhochbegrenzt, Balance wird nicht trainiert
Typischer Einstiegwenn das Laufen sicher steht, meist um zwei Jahreals Schiebedreirad früher, selbst tretend ab etwa zwei
KurvenverhaltenKind neigt sich hinein wie beim Fahrradstarres System ohne Kurvenlage (BVKJ)
BremsenFüße, optional eine Handbremsemeist keine, Kontrolle über die Schiebestange
Selbstständigkeithoch, das Kind steigt allein auf und abgeringer, solange Eltern mitlenken
Platzbedarfkompaktdeutlich sperriger
Rechtsstatuskein Fahrzeug nach § 24 StVOkein Fahrzeug nach § 24 StVO

„Welches ist besser” ist also eigentlich die falsche Frage. Die richtige lautet: Was soll mein Kind als Nächstes lernen?


Was ein Laufrad trainiert — und was ein Dreirad

Laufrad: Gleichgewicht, Lenken, Bremsen mit den Füßen

Beim Laufrad stößt sich das Kind mit den Füßen ab und rollt. In dieser Rollphase muss es frei balancieren. Sonst kippt es.

Genau das braucht es später auf dem Fahrrad zuerst.

Der ADAC beschreibt es so: Das Fahren mit dem Laufrad ermögliche es Kindern, „nicht nur ein Balancegefühl, sondern beim Lenken und Anhalten auch die allgemeine Körperwahrnehmung und Körperkoordination weiterzuentwickeln.”

Dazu kommt ein Punkt, der leicht untergeht. Das Kind kann jederzeit die Füße auf den Boden setzen. Es entscheidet also selbst, wann Schluss ist.

Dreirad: Tretbewegung, Beinkraft, Rundtritt

Das Dreirad kann etwas, das das Laufrad eben nicht kann. Es bringt dem Kind das Treten bei — das Kreisen mit beiden Beinen, das auf dem Fahrrad später ja auch gebraucht wird.

Der Kinderarzt Jörg Schriever vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte ordnet das ein: „Das kreisförmige ungewohnte Treten beim Dreirad erfordert erhöhte Aufmerksamkeit, erschwert das Lenken und die stetige Orientierung in Fahrtrichtung mehr als die dem Kind bekannten Schrittbewegungen beim Laufrad.”

Und zur Bauart: „Das starre System des Dreirades erlaubt keine leichte Kurvenlage und hat eine erhöhte Sturzgefahr schräg nach vorn, besonders bei raschen, stärkeren Lenkbewegungen.”

Ein Punkt, den viele Eltern beim Kauf durcheinanderbringen, weil beides im Laden unter „Dreirad” steht: Ein Dreirad mit Schiebestange und ein klassisches Tret-Dreirad sind zwei völlig verschiedene Geräte. Beim ersten schieben und lenken die Eltern, das Kind sitzt und darf mittreten, wenn es mag — das funktioniert schon lange, bevor ein Kind sicher läuft, und ersetzt auf langen Spaziergängen eher den Buggy als das Fahrrad. Beim zweiten tritt und lenkt das Kind selbst, und dafür braucht es Kraft in den Beinen und einen Plan im Kopf. Wer ein Schiebedreirad kauft und Selbstständigkeit erwartet, kauft am Ziel vorbei. Umgekehrt genauso.

Warum das für den Umstieg aufs Fahrrad zählt

Ein Kind vom Laufrad kann balancieren und muss noch treten lernen. Ein Kind vom Dreirad kann treten und muss noch balancieren lernen.

Es kommt also darauf an, was davon schwerer nachzuholen ist. Treten begreifen die meisten Kinder auf dem Fahrrad in ein paar Runden. Balance nicht.

Wer breiter ansetzen will, findet bei den Balance Boards für Kinder das passende Material für drinnen und beim Motorikspielzeug den größeren Rahmen.


Stimmt es, dass Laufräder besser sind?

Diese These steht in jedem zweiten Ratgeber, meist ohne Beleg. Sie stimmt schon — aber nicht so absolut, wie sie dort steht.

Was tatsächlich belegt ist

Die Fachstellen sind sich einig. Und zwar quer über die Verbände hinweg.

Die Deutsche Verkehrswacht beschreibt den Regelweg klar: „Mit zwei Jahren steigen Kinder aufs Laufrad um. Auf ihm trainieren sie ihre Motorik und ihren Gleichgewichtssinn.” Und weiter: „Mit vier Jahren bekommen die meisten Kinder ihr erstes Fahrrad, ein Spielfahrrad.”

Zu Stützrädern wird sie deutlich: „Keine Stützräder! Beim Radfahren müssen die Kinder ihr Gleichgewicht koordinieren.” Der ADAC begründet dasselbe anders — Kinder konzentrierten sich mit Stützrädern „hauptsächlich auf das Treten der Pedale und nicht darauf, das Gleichgewicht zu halten” — und empfiehlt, „Kindern immer die Möglichkeit zu geben, ohne Stützräder zu üben.”

Das ist derselbe Gedanke, der fürs Laufrad spricht.

Balance lässt sich eben nicht umgehen. Man muss sie üben.

Was zu relativieren ist

Drei Dinge, die in den Ratgebern fehlen.

Es gibt keine Studie. Nach unserer Recherche hat niemand kontrolliert untersucht, ob Laufrad-Kinder schneller Fahrrad fahren lernen. Was es gibt, sind übereinstimmende Empfehlungen von Fachverbänden. Wir halten die für überzeugend — ein Nachweis ist es trotzdem nicht. Wer Ihnen etwas anderes erzählt, hat die Quellen nicht gelesen.

Es gibt kein Regelalter. Der ADAC schreibt ausdrücklich: „Für den richtigen Zeitpunkt gibt es bei Kindern kein Regelalter.” Jede Monatszahl hier zeigt also grob, wohin es geht. Mehr nicht.

Es gibt eine dokumentierte Ausnahme. Für eine Gruppe rät der BVKJ weiterhin ausdrücklich zum Dreirad: „Bei Gleichgewichtsstörungen, unabhängig von der Ursache oder dem Alter, bleibt das Dreirad der Klassiker. Denn jede Bewegung ist besser als Stillstand.”

Diese Ausnahme steht bei fast keinem Wettbewerber. Dabei trifft sie genau die Familien, denen der pauschale Laufrad-Rat am wenigsten hilft.

Nebenbei: Das Laufrad ist gar nicht der einzige Weg. Die Verkehrswacht nennt auch den Roller eine „ideale Vorübung fürs Radfahren”, weil er das Gleichgewicht ebenso trainiert.


Ab welchem Alter?

Die Voraussetzung, die wirklich zählt

Die BAG Mehr Sicherheit für Kinder schreibt: „Laufräder sind erst ab zwei bis drei Jahren geeignet.”

Die Zahl ist aber nur die Hilfsgröße. Es zählt der Körper des Kindes. Läuft es sicher? Und passt die Schrittlänge zur niedrigsten Sattelhöhe?

Schrittlänge messen — zwei Minuten

PUKY beschreibt die Methode so:

  1. Das Kind stellt sich mit Schuhen mit dem Rücken an eine Wand.
  2. Zwischen den Beinen klemmt es ein Buch ein, mit der waagerechten Oberkante im Schritt.
  3. Den Abstand von der Oberkante des Buchs bis zum Boden messen — das ist die Schrittlänge.

Die Zahl halten Sie dann gegen die niedrigste Sattelhöhe, die jeder Hersteller angibt. Unsere Faustregel: ein, zwei Zentimeter mehr, damit noch Luft bleibt. So sehen wir das — eine Herstellernorm ist es nicht.

Die entscheidende Probe braucht dann gar kein Maßband mehr. Setzen Sie das Kind auf den Sattel. Stehen beide Füße flach auf dem Boden — nicht bloß die Zehenspitzen —, passt das Rad. Sonst nicht.

Orientierung nach Alter

AlterWas meist passtWoran es hängt
1–1,5 JahreRutschfahrzeug, SchiebedreiradLaufen ist noch unsicher
1,5–2 JahreRutschfahrzeug, sehr kleines Laufradnur bei sicherem Laufen und passender Schrittlänge
2–3 JahreLaufrad, alternativ Tret-Dreiradder Regeleinstieg
3–4 JahreLaufrad in großer RahmengrößeVerstellbereich entscheidet über die Restlaufzeit
ab 4 Jahrenerstes Fahrrad, ohne Stützräderdie BAG nennt vier Jahre als Frühestens

Zur letzten Zeile die Quelle im Wortlaut: Die BAG verweist darauf, dass das nötige Können „erst im Alter von frühestens 4 Jahren sicher koordiniert werden” kann. Geschenkideen für die Jahre dazwischen haben wir bei Spielzeug ab 2 Jahren und Spielzeug ab 3 Jahren gesammelt.


Braucht mein Kind beides?

Dahinter steckt meistens eine andere Frage. Nämlich die: Habe ich Geld verschwendet, weil wir doch schon ein Dreirad haben?

Nein. Der Weg vom Dreirad zum Laufrad ist ja der übliche. Nur andersherum bringt es wenig — ein Dreirad ergänzt ein vorhandenes Laufrad kaum, weil das Kind die schwierigere Sache schon kann.

Ihre SituationWas wir raten
Kind läuft noch unsicherRutschfahrzeug oder Schiebedreirad
Kind läuft sicher, Schrittlänge passtLaufrad
Schrittlänge reicht noch nichtwarten oder ein kleineres Modell
Kind mit GleichgewichtsstörungDreirad, so der BVKJ
Ziel ist möglichst schnell das FahrradLaufrad, keine Stützräder
kein Fahrrad-Ziel, einfach Spaß im GartenDreirad ist völlig in Ordnung
lange Spaziergänge, Eltern wollen schiebenDreirad mit Schiebestange
unebene Wege, FeldwegeLaufrad mit Luftreifen
Stadt, Gehweg, InnenhofLaufrad mit EVA-Reifen
wenig StauraumLaufrad, es ist deutlich kompakter

Es gibt noch eine dritte Bauart, das umbaubare Laufdreirad. Ehrlich gesagt ein Kompromiss: Es kann beides halb und wiegt mehr als ein reines Laufrad. Das Gewicht zahlt man eben dafür, dass sich das Ding umbauen lässt.


Worauf es beim Kauf ankommt

Gewicht — das unterschätzte Kriterium

Kein anderes Merkmal wirkt sich im Alltag so aus. Ein Kind, das sein Rad nicht selbst hochheben kann, ruft nach zwanzig Metern nach Ihnen.

Die brauchbare Faustregel kommt ohne Kilogramm-Zahl aus: Das Kind sollte sein Laufrad allein anheben und über eine Bordsteinkante wuchten können. Probieren Sie das im Laden aus — mit dem Kind, nicht mit dem Datenblatt. Aluminium spart gegenüber Stahl spürbar, kostet dafür mehr.

Sitzhöhe und Mitwachsen

Der Verstellbereich entscheidet, ob das Rad ein Jahr hält oder drei. Und ein großer Schrittlängen-Bereich zieht beim Wiederverkauf mehr als jede Marke.

Reifen

Drei Bauarten, und die Wahl hängt allein an Ihrem Wohnumfeld:

  • EVA-Schaum ist wartungsfrei, pannensicher und leicht. Weniger Dämpfung, weniger Grip bei Nässe. Für Gehweg und Innenhof reicht es.
  • Luftreifen dämpfen und greifen besser, brauchen dafür Luftdruckkontrolle und gehen gelegentlich kaputt. Sinnvoll bei Feld- und Waldwegen.
  • Vollkunststoff ist die günstigste Variante mit dem geringsten Grip. Auf glattem, trockenem Untergrund geht das, bei Nässe wird es heikel.

Was wir dazu nicht sagen können: wie stark das auf Stürze durchschlägt. Keine der Sicherheitsstellen beziffert das. Wir raten hier also nicht.

Bremse

Bei Zweijährigen ist eine Handbremse Zierde. Sie bremsen mit den Füßen, und für den Hebel fehlt schlicht die Handkraft. Interessant wird sie erst, wenn das Kind schneller wird und Gefälle fährt.

So sehen wir das, keine Behörde. Eine Altersgrenze für Bremsen nennt nämlich keine der Stellen, die wir gelesen haben.

Lenkeinschlagbegrenzung

Sie verhindert, dass der Lenker ganz einknickt, und beugt so Stürzen und eingeklemmten Fingern vor. Viele Markenräder haben sie, längst nicht alle. Steht oft nicht dabei — dann auf der Produktseite nachsehen.

Schadstoffe

Hier gehört ein Datum dazu. Stiftung Warentest hat im Dezember 2021 dreizehn Laufräder geprüft. Zehn davon fielen durch, „weil sie kritische Mengen an Schadstoffen in Griffen, Sattel oder Reifen enthalten” — PAK, Weichmacher, Flammschutzmittel und chlorierte Paraffine.

Das ist fünf Jahre her und sagt nichts über die Modelle von heute. Wir haben selbst nichts geprüft und sprechen deshalb auch keine Marke frei.

Was Sie stattdessen tun können: an Griffen und Sattel riechen, bevor das Rad in die Wohnung kommt. Ein strenger chemischer Geruch ist ein Warnsignal, und das sollte man ernst nehmen.


Modelle im Überblick

Wie wir vergleichen

Wir sind diese Räder nicht selbst gefahren und haben nichts geprüft. Was hier steht, ordnet Bauarten ein — gestützt auf Herstellerangaben und darauf, was die Verkehrssicherheitsstellen empfehlen. Bewusst keine einzelnen Modelle: Die Passform hängt an der Schrittlänge Ihres Kindes und nicht am Markennamen. Wie lange die Räder halten, was in den Griffen steckt und wie sie sich fahren, haben wir nicht bewertet. Dafür bräuchte es ein Labor und eine Teststrecke.

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1
Unsere Empfehlung

Leichtes Laufrad aus Aluminium

2–4 Jahre
  • Gewicht ist das Kriterium, das im Alltag am meisten ausmacht
  • Das Kind muss sein Rad selbst aufheben und über eine Bordsteinkante wuchten
  • Alu spart gegenüber Stahl spürbar, kostet aber mehr
  • Vor dem Kauf die Schrittlänge gegen die niedrigste Sattelhöhe halten

Preis geprüft: 2026-08

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2

Laufrad mit EVA-Schaumreifen

2–4 Jahre
  • Pannensicher und wartungsfrei, kein Luftdruck zu prüfen
  • Leichter als Luftbereifung, dafür weniger Dämpfung und weniger Grip bei Nässe
  • Für Gehweg, Innenhof und Stadt reicht das völlig
  • Die richtige Wahl für die meisten Familien

Preis geprüft: 2026-08

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3

Laufrad mit Luftbereifung

2–4 Jahre
  • Dämpft spürbar und greift besser auf losem Untergrund
  • Die Wahl, wenn Feldwege, Waldwege oder Schotter dazugehören
  • Preis dafür: Luftdruck prüfen und gelegentlich eine Panne
  • Auf ebenem Gehweg spielt der Vorteil kaum eine Rolle

Preis geprüft: 2026-08

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4

Laufrad mit Handbremse

3–5 Jahre
  • Wird erst interessant, wenn das Kind schneller wird und Gefälle fährt
  • Bei den Jüngsten fehlt die Handkraft noch, sie bremsen mit den Füßen
  • Kein Sicherheitsmerkmal für den Einstieg, sondern eines für später
  • Hebelweite prüfen: Der Griff muss in eine Kinderhand passen

Preis geprüft: 2026-08

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5

Dreirad mit Schiebestange

1–3 Jahre
  • Für die Zeit, in der das Laufen noch unsicher ist
  • Eltern lenken und schieben, das Kind kann jederzeit pausieren
  • Trainiert die Tretbewegung, die ein Laufrad nicht trainiert
  • Der BVKJ empfiehlt das Dreirad ausdrücklich bei Gleichgewichtsstörungen

Preis geprüft: 2026-08

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6

Kinderhelm für Laufrad und Dreirad

1–6 Jahre
  • Ab der ersten Fahrt, da sind sich alle Sicherheitsstellen einig
  • Eine gesetzliche Pflicht gibt es in Deutschland nicht
  • Muss waagerecht sitzen und darf beim Kopfschütteln nicht verrutschen
  • Beim Klettern und auf dem Spielplatz wieder absetzen

Preis geprüft: 2026-08

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Sicherheit: Helm — und wo darf man fahren?

Der Helm

Alle Sicherheitsstellen sind sich einig. Die BAG Mehr Sicherheit für Kinder formuliert es knapp: „Denk von Anfang an immer an einen sicheren Helm!”

Eine gesetzliche Pflicht gibt es in Deutschland trotzdem nicht — weder für Radfahrer noch für Kinder auf Laufrad oder Dreirad. Dringend geraten wird dazu, vorgeschrieben ist es nicht.

Der Helm muss waagerecht sitzen und beim Kopfschütteln bleiben, wo er ist. Und er kommt wieder ab, sobald das Kind klettert oder auf den Spielplatz geht. Am Kinnriemen kann ein Helm nämlich hängenbleiben.

Wo Laufrad und Dreirad gefahren werden dürfen

Diese Frage stellt sich jedem Käufer. In den gut platzierten Ratgebern fehlt sie trotzdem.

Nach § 24 Absatz 1 der Straßenverkehrs-Ordnung gilt: „Schiebe- und Greifreifenrollstühle, Rodelschlitten, Kinderwagen, Roller, Kinderfahrräder, Inline-Skates, Rollschuhe und ähnliche nicht motorbetriebene Fortbewegungsmittel sind nicht Fahrzeuge im Sinne der Verordnung. Für ihre Benutzung gelten die Vorschriften für den Fußgängerverkehr entsprechend.” (Gesetzestext)

Genau hier wird es ungenau erzählt. Laufrad und Dreirad stehen dort nämlich nicht namentlich. Sie fallen unter „ähnliche nicht motorbetriebene Fortbewegungsmittel”. So leitet man das korrekt her — wer behauptet, das Laufrad stehe im Gesetzestext, hat ihn nicht gelesen.

Praktisch heißt das: Ein Kind auf dem Laufrad ist rechtlich ein Fußgänger.

Damit gelten Fußgängerregeln. Gehweg, Rücksicht, langsam fahren, an einer geeigneten Stelle queren. Die Verkehrswacht schreibt dazu: „Kinder dürfen mit Spielfahrzeugen ausschließlich auf Gehwegen und im verkehrsfreien Raum fahren. Niemals auf der Straße.”

Wann Kinder mit dem Fahrrad wohin dürfen

Sobald das erste richtige Fahrrad kommt, gelten andere Regeln. § 2 Absatz 5 StVO sagt: „Kinder bis zum vollendeten achten Lebensjahr müssen, Kinder bis zum vollendeten zehnten Lebensjahr dürfen mit Fahrrädern Gehwege benutzen.” (Gesetzestext)

Ein Detail daraus, das viele Eltern nicht kennen: Wird vor dem Überqueren einer Fahrbahn ein Gehweg benutzt, müssen Kind und Begleitperson absteigen.

Wir beraten hier nicht rechtlich. Das oben ist der Gesetzeswortlaut mit Fundstelle, mehr nicht. Wer es genau wissen will, liest beide Paragrafen einfach selbst nach.

Weitere Ideen für draußen sammeln wir in unserer Übersicht zu Spielzeugen für den Außenbereich.


Häufige Fragen

Was ist besser: Laufrad oder Dreirad?
Fürs spätere Fahrradfahren das Laufrad, weil es das Gleichgewicht trainiert. Das Dreirad trainiert die Tretbewegung. Wer nur eines kauft, nimmt das Laufrad. Es gibt eine dokumentierte Ausnahme: Bei Gleichgewichtsstörungen empfiehlt der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte weiterhin das Dreirad, unabhängig vom Alter.

Ab welchem Alter ist ein Laufrad sinnvoll?
Die Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder schreibt: „Laufräder sind erst ab zwei bis drei Jahren geeignet.” Entscheidend ist aber nicht der Geburtstag, sondern ob das Kind sicher läuft und ob die Schrittlänge zur niedrigsten Sattelhöhe passt.

Braucht mein Kind Laufrad und Dreirad?
Nein. Wer schon ein Dreirad hat, wechselt später aufs Laufrad — das ist der übliche Weg und kein Fehlkauf. Umgekehrt ergänzt ein Dreirad ein vorhandenes Laufrad kaum noch.

Was zuerst — Dreirad oder Laufrad?
Solange ein Kind noch unsicher läuft, kommt es mit einem Rutschfahrzeug oder einem Dreirad mit Schiebestange besser zurecht. Sobald das Laufen sitzt, ist das Laufrad die naheliegende nächste Stufe.

Wie messe ich die Schrittlänge meines Kindes?
PUKY beschreibt es so: Das Kind stellt sich mit Schuhen mit dem Rücken an eine Wand. Zwischen den Beinen klemmt es ein Buch ein, mit der waagerechten Oberkante im Schritt. Dann misst man den Abstand von der Oberkante des Buchs bis zum Boden.

Luftreifen oder EVA-Reifen?
EVA-Schaumreifen sind wartungsfrei, leicht und pannensicher — für Gehweg, Innenhof und Stadt reicht das. Luftreifen dämpfen besser und greifen mehr, was auf Feld- und Waldwegen zählt. Dafür muss man den Luftdruck prüfen und rechnet mit gelegentlichen Pannen.

Braucht ein Laufrad eine Bremse?
Bei den Kleinsten nicht. Sie bremsen mit den Füßen, und für einen Bremshebel fehlt oft noch die Handkraft. Interessant wird eine Handbremse, wenn das Kind schneller wird und Gefälle fährt. Eine Altersgrenze nennt dafür keine Sicherheitsstelle, das ist unsere eigene Einordnung.

Darf mein Kind mit dem Laufrad auf dem Gehweg fahren?
Nach § 24 Absatz 1 der Straßenverkehrs-Ordnung sind Roller, Kinderfahrräder und „ähnliche nicht motorbetriebene Fortbewegungsmittel” keine Fahrzeuge; für ihre Benutzung gelten die Vorschriften für den Fußgängerverkehr. Die Verkehrswacht schreibt dazu: „Kinder dürfen mit Spielfahrzeugen ausschließlich auf Gehwegen und im verkehrsfreien Raum fahren. Niemals auf der Straße.”

Gibt es eine Helmpflicht für Laufrad und Dreirad?
Nein, in Deutschland gibt es keine gesetzliche Helmpflicht — weder für Radfahrer noch für Kinder auf Laufrad oder Dreirad. Empfohlen wird der Helm trotzdem einhellig. Die BAG Mehr Sicherheit für Kinder schreibt: „Denk von Anfang an immer an einen sicheren Helm!”

Wann bekommt mein Kind das erste Fahrrad?
Die Verkehrswacht nennt vier Jahre als typischen Zeitpunkt. Die BAG Mehr Sicherheit für Kinder verweist darauf, dass die nötigen Fähigkeiten „erst im Alter von frühestens 4 Jahren sicher koordiniert werden können”.

Sind Stützräder eine Alternative?
ADAC und Deutsche Verkehrswacht raten davon ab. Die Verkehrswacht schreibt schlicht „Keine Stützräder!”, der ADAC begründet es damit, dass Kinder sich mit Stützrädern „hauptsächlich auf das Treten der Pedale” konzentrieren und nicht darauf, das Gleichgewicht zu halten.

Lernen Kinder mit einem Laufrad nachweislich schneller Fahrrad fahren?
Belastbar belegt ist das nicht. Es gibt nach unserer Recherche keine kontrollierte Studie, die das quantifiziert. Was es gibt, sind übereinstimmende Empfehlungen von ADAC, Verkehrswacht und dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. Das ist ein starkes Indiz, aber kein Nachweis.


Was wir empfehlen würden

Wenn Sie nur eines kaufen: das Laufrad. Nicht, weil es Kinder schneller ans Fahrrad bringt — bewiesen ist das nicht. Sondern weil alle Fachstellen dasselbe Argument nennen und es einleuchtet.

Balance lässt sich nicht abkürzen.

Kaufen Sie nach der Schrittlänge, nicht nach dem Alter. Nehmen Sie das leichtere Modell, wenn Sie zwischen zweien schwanken. Und legen Sie den Helm gleich dazu.

Zum Schluss der Teil, der gegen unser Interesse geht.

Wenn bei Ihnen schon ein Dreirad im Keller steht und Ihr Kind gerade zwei wird, müssen Sie gar nichts tun. Fahren Sie das Dreirad zu Ende. Das Laufrad kann ruhig warten, bis es wirklich passt — und dann passt es länger.


Quellen

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